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Schottland

Apotheke to go

In den schottischen Highlands sind Apotheken rar. Ein telemedizinischer Service des Nationalen Gesundheitsdiensts macht es aber seit einiger Zeit möglich, dass Patienten ihren Apotheker praktisch jederzeit dabei haben - nämlich über Smartphone, Tablet & Co.
Jennifer Evans
27.09.2018
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Die abgelegen ländlichen Gegenden in den schottischen Highlands sind für den  britischen Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) eine besondere Herausforderung. Auf einer Fläche, die in etwa der Größe von Belgien entspricht, erreichen Patienten ihre Apotheke oft nur nach einer zwei- bis dreistündigen Autofahrt. Eine Lösung für die daraus entstehenden Probleme bietet das telemedizinische Projekt »Pharmacy Anywhere«, über das das Fachblatt  »The Pharmaceutical Journal« kürzlich berichtete.

Mithilfe einer App bekommt der Apotheker hier Zugang zur Krankenakte eines Patienten. Gemäß Datenschutz-Richtlinien werden die Informationen nach 72 Stunden wieder automatisch von dessen Smartphone  gelöscht. Eine webbasierte Video-Beratung ermöglicht es, dass Patienten direkt mit ihrem Apotheker übers Smartphone, Tablet oder den PC sprechen können.

Im ersten Schritt benennt der Hausarzt jene Patienten, die seiner Ansicht nach eine Beratung mit Blick auf ihre Arzneimitteltherapie benötigen und vereinbart den virtuellen Gesprächstermin mit der Apotheke. In der Zwischenzeit erhält der Pharmazeut Zugriff auf die medizinischen Patientendaten, um sich auf das Gespräch vorbereiten zu können. Zum Video-Termin loggt sich der Patient dann einfach übers Smartphone oder Tablet  ein. Der Apotheker sieht dann , dass jemand im virtuellen Wartezimmer sitzt und nimmt den Anruf entgegen. Im Anschluss an die Beratung darf der Apotheker Änderung der Medikation in der Patientenakte vornehmen. Die geänderten Daten übermittelt der Server automatisch zurück an den Hausarzt. Auch ein Wiederholungsrezept kann der Apotheker direkt über das Systems auslösen. Dies muss der Hausarzt anschließend nur noch ausdrucken und unterschreiben.

 Apotheker loben kreative Lösung

Insgesamt haben seit Januar 2017 fast 400 Patienten an dem Projekt teilgenommen. Yvonne MacRae, Apothekerin in der Region des NHS Highland, sagte dem Fachblatt, wie gut es sei, den Patienten über Video sehen zu können. »Ich konnte so das Medikament, das ein Patient einnahm, leicht identifizieren, indem ich ihn einfach bat, es in die Kamera zu halten.« Oft habe sie auf diese Weise auch erkennen können, wie organisiert der Betroffene zuhause seine Medikamente aufbewahrt. Die virtuellen Beratungen hätten einem vis-à-vis-Gespräch in Nichts nachgestanden. MacRae freut sich,  weil das Projekt lange Fahrzeiten erspart und damit ihre Zufriedenheit im Job gewachsen ist.

Das Projekt ist mittlerweile in den Service der NHS Highland Region integriert. Im Nachgang werteten auch Wissenschaftler an der Robert Gordon Universität in Aberdeen die Ergebnisse anhand von Fragebögen und persönlichen Befragungen aus. Demnach fühlten sich die Patienten gut betreut, lobten etwa die große Zeitersparnis und das tiefere Verständnis, das sie dank des Apothekers für ihre Arzneimitteltherapie erhielten. Neben den  Pharmazeuten hob auch die Politikerin Maree Todd  der Schottischen Nationalpartei die Vorteile hervor, die solche kreativen Ansätze mit sich brächten. Sie bezeichnete das Projekt als ein »exzellentes Beispiel für das kreative Denken, das nötig ist, um die Versorgung in der Region zu garantieren.«

Ein Apotheker in Vollzeit ist Kalkulationen des NHS Highland zufolge nötig, um 5000 Patienten zu betreuen.  Ein Problem allerdings, dem sich die schottische Regierung auch noch stellen muss, ist die zum Teil nicht immer stabile Internetverbindung in einigen Regionen der Highlands. 

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