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Versandhandel

Hunger auf ein Stück vom Kuchen

02.06.2008
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Versandhandel

Hunger auf ein Stück vom Kuchen

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Der erste Kongress des Bundesverbandes der Deutschen Versandapotheken brachte Versandhändler und Standesvertretung miteinander ins Gespräch. Ob das der Beginn einer »wunderbaren Freundschaft« ist, scheint indes fraglich.

 

Glaubt man dem Bundesverband der Deutschen Versandapotheken (BVDVA), dann geht es den Versandapotheken blendend. Der Verband teilte anlässlich seines ersten Kongresses vergangene Woche in Berlin mit, eine Mitgliederbefragung habe ein »durchschnittliches Wachstum um bis zu fünfzig Prozent« zutage gefördert, während niedergelassene Apotheker sinkende Renditen beklagten.

 

Der BVDVA hat 18 Mitglieder und ein Fördermitglied, ist auf der Homepage des Verbandes nachzulesen. 80 Teilnehmer hatten sich zu dem zweitägigen Kongress des Verbandes eingefunden.

 

BVDVA-Chef Christian Buse zitierte Berechnungen des Instituts für Medizinische Statistik (IMS Health), nach denen der Anteil der Versandapotheken am Markt für rezeptfreie Medikamente von vier Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell fünf Prozent gestiegen sei. Demnach werden besonders gern durchblutungsfördernde Mittel, Immunstimulanzien gegen Erkältungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzmittel im Versandhandel bestellt. Besonders Menschen mit einem planbaren Arzneimittelbedarf wie chronisch Kranke seien Kunden von Versandapotheken. Das erkläre auch, warum rund 20 Prozent aller Großpackungen (N 3) im Versandhandel gekauft würden, sagte Christian Buse.

 

Er ist Apotheker und Mitinhaber der Versandapotheke Mycare mit Sitz in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Der Mittdreißiger wurde im April in Berlin zum neuen Vorsitzenden des BVDVA gewählt, nachdem sein Vorgänger Johannes Mönter im Februar überraschend zurückgetreten war. Buses Stellvertreter ist der Vorstandsvorsitzende der Easy-Apotheke, Oliver Blume, die Geschäfte führt Kerstin Kilian.

 

In Deutschland haben 1800 der 21.500 Apotheken eine behördliche Erlaubnis zum Versandhandel. Allerdings betreiben nach BVDVA-Angaben nur etwa 20 das Geschäft in größerem Stil und verschicken täglich mehr als 1000 Aussendungen. Buse sprach von rund zehn Versandapotheken, die mehr als 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr machten. Es gebe viele Nischen- und Spezialanbieter und Apotheker, die Versandhandel als Nebenerwerb betrieben.

 

Warnung vor »Wildwest«

 

Eine mögliche Erlaubnis des Fremd- und Mehrbesitzes von deutschen Apotheken durch den Europäischen Gerichtshof sieht der Verband kritisch. Buse: »Das wird Wildwest geben, und das kann nicht im Sinne der Apotheker und Verbraucher sein.« Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Rx), wie es die ABDA ­ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände fordert, lehnt der BVDVA ab. Buse argumentierte, nur zwei Prozent der rezeptpflichtigen Arzneimittel würden per Versand geordert, »das bringt den Offizinapothekern doch nichts und ein Verbot wäre nur ein Zuckerle der Politik«.

 

Umgekehrt darf man wohl unterstellen, dass der Versandhandel seinerseits auf dieses kleine Stück vom Kuchen nicht verzichten mag, weil er darauf hofft, dass es im Laufe der Zeit immer größer wird. Die Standesvertretung setzt sich ihrerseits für ein Rx-Verbot ein, um die Präsenzapotheke als Zentrum der Arzneimittelversorgung zu erhalten. Damit sollen Ausfransungen des Systems, wie sie im Gefolge der Zulassung des Versandhandels etwa durch die inzwischen gerichtlich abgesegnete Abgabe von Arzneimitteln in Drogeriemärkten der dm-Kette zu beobachten sind, bekämpft werden. Schützenhilfe bekommt die ABDA aus der Union. Bundestagsfraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) will nach einem Bericht der Berliner Zeitung vorschlagen, den Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln einzuschränken oder ganz zu verbieten. Er sieht durch die Abgabe in Drogeriemärkten die Arzneimittelsicherheit gefährdet.

 

Karl-Heinz Resch, ABDA-Geschäftsführer für Wirtschaft und Soziales, stellte sich beim Berliner Kongress der Diskussion mit den Versandapothekern, die sich von der Standesvertretung als dubiose »Pillendreher« verunglimpft fühlen, wie BVDVA-Geschäftsführerin Kerstin Kilian formulierte.

 

Resch brach eine Lanze für das gut funktionierende deutsche Apothekenwesen, das dem Gemeinwohl verpflichtet sei und eine stabile Arzneimittelversorgung garantiere. Der Versandhandel drohe dieses System zu destabilisieren. Resch wies auf Gerichtsurteile hin, in denen das Gefahrenpotenzial des Versandhandels mit Medikamenten »nicht unerheblich« genannt wird. Eine verantwortliche Prüfung der Verordnung sei nicht gewährleistet, wenn Abgabe und Beratung entkoppelt seien. Die Zulassung des Versandhandels im Jahr 2004 habe einen Rutschbahneffekt für das Gesamtsystem ausgelöst. »Warten Sie mal ab, was mit dem Medco-Einstieg noch auf uns zukommt«, warnte Resch.

 

Die US-amerikanische Medco Health Solutions, eine der weltweit größten Versandapotheken, hatte im April die niederländische Internetapotheke Europa-Apotheek Venlo übernommen, die auch den Versandhandel für dm betreibt. Klaus Gritschneder, Mitglied der Geschäftsführung der Europa-Apotheek, verwies in seinem Vortrag auf hohe Sicherheitsstandards im deutschen Versandhandel.

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