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Berufspolitische Veranstaltung

Die Karten offenlegen

07.06.2011
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Von Sven Siebenand, Meran / Drei wichtige Themen kamen bei der berufspolitischen Veranstaltung während des Pharmacon Meran zur Sprache. Diskussionen und Fragen zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und zum ABDA-KBV-Konzept sind dabei neue Themen. Die Rabattverträge sind dagegen ein Dauerbrenner und Ärgernis, das es auch in diesem Jahr wieder auf die Agenda geschafft hat.

Bereits in der Eröffnungsrede beim Pharmacon war die Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Erika Fink, ausführlich auf die Änderung der Apothekenbetriebsordnung eingegangen. Verbesserte Versorgungsqualität und Stärkung der flächendeckenden Versorgung durch Präsenzapotheken sind dabei wichtige Forderungen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. »Wir wollen keine Apotheke light«, betonte Fink (lesen Sie dazu auch Pharmacon Meran: »Wir wollen keine Apotheke light«, Glutasource 22/2011).

Im Rahmen der berufspolitischen Veranstaltung ging Fink auch auf das Thema Nebensortiment ein. In der Vergangenheit war immer wieder behauptet worden, mit der Änderung der Apothekenbetriebsordnung werde auch das Nebensortiment beschränkt. »Das hat sich nicht bewahrheitet«, sagte Fink. Im Moment sehe es so aus, als ob alles so bleibe wie es ist. Aber besser nicht überreizen. So würde es der Skat-Spieler sagen. Die BAK-Präsidentin drückte es mit anderen Worten aus. »Fassen Sie das Thema Nebensortiment mit Fingerspitzengefühl an«, mahnte sie. OTC-Produkte dürften nicht abgewertet werden und der Patient müsse immer noch zwischen Arzneimitteln und Nebensortiment unterscheiden können. Kosmetika hätten sich mittlerweile etabliert in der Apotheke und seien vollkommen in Ordnung. Fink sprach sich aber deutlich gegen die Einrichtung von Kosmetikkabinen und das Anbieten von Kosmetikbehandlungen in der Apotheke aus. Das konnte ABDA-Geschäftsführerin Dr. Christiane Eckert-Lill nur unterstreichen. »Das Betreiben eines Kosmetikstudios in der Apotheke ist eine Tätigkeit, die mit dem Charakter des Apothekenbetriebes und unserem Auftrag nicht vereinbar ist«, bekannte auch sie Farbe. Ferner betonte Eckert-Lill, dass es nicht im Sinn des Berufsstand sein könne, zum gemischten Dienstleister zu werden.

Beim Thema Rabattverträge kochen für gewöhnlich die Emotionen hoch. So auch bei der berufspolitischen Veranstaltung. Mehrere Kollegen baten eindringlich, die Berufsorganisationen mögen sich darum kümmern, diese Bürokratiemonster wieder loszuwerden.

 

Das ist aber leichter gesagt als getan. »Rabattverträge werden uns auch weiterhin in der Apotheke belasten«, sagte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). Die Politik stehe ganz klar zu den Rabattverträgen. Für Krankenkassen seien sie ein wirtschaftliches Erfolgsmodell. Becker: »Von den Apothekern vorgeschlagene Alternativen wie das Zielpreismodell wurden nicht akzeptiert.« Der DAV-Vorsitzende vermutet, dass die Kassen versuchen werden, auf dieser Erfolgswelle weiterzuschwimmen. Immerhin sei ein Einsparvolumen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr erzielt worden, was einigen Druck aus dem Arzneimittelmarkt genommen habe.

 

Pharmazeutische Bedenken

 

Becker verwies darauf, dass Apotheker die Möglichkeit haben, pharmazeutische Bedenken geltend zu machen und in diesem Fall dann auch ein Nicht-Rabattarzneimittel abgeben dürfen. Diese Chance, pharmazeutisches Wissen zu dokumentieren, werde in der Praxis viel zu selten genutzt. Davon erfahren dann auch Politiker und Kassenchefs. »Das macht die Diskussion über die Bedeutung der pharmazeutischen Kompetenz dann schwierig«, so Becker.

Während der DAV-Vorsitzende mit dem Thema Rabattverträge den Schwarzen Peter gezogen hatte, konnte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf noch eine hohe Trumpfkarte spielen. Er stellte den Kolleginnen und Kollegen die Eckpunkte des ABDA-KBV-Konzepts vor. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die ABDA, also Ärzte und Apotheker, haben gemeinsam ein Konzept für mehr Sicherheit in der Arzneimittel­therapie erstellt. Damit liegt man ganz im Trend. Denn: »Auch die Bundesregierung hat sich dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit angenommen«, sagte Wolf.

 

Erschreckend schlechte Compliance

 

Er informierte, dass aktuell mehr als ein Viertel aller GKV-Versichterten mehr als fünf permanent verordnete Arzneimittel einnimmt. Wolf verwies zudem darauf, dass die Compliance in der Dauertherapie oft erschreckend schlecht ist. Antihypertonika werden dem ABDA-Präsidenten zufolge nur von der Hälfte der Patienten regelmäßig eingenommen. Die Folgen: Polypharmazie und Non-Compliance verunsichern und gefährden die Patienten. Zudem richten sie auch einen großen finanziellen Schaden an. Die Lösung für dieses Problem könnte das ABDA-KBV-Konzept sein. Dieses sieht vor, dass Ärzte und Apotheker gemeinsam Aufgaben im Medikationsmanagement übernehmen.

 

Wichtige Säulen des Konzepts sind die generische Wirkstoffverordnung durch den Arzt und die leitliniengestützte und -gesteuerte Entwicklung eines Medikationskataloges auf Wirkstoffbasis. »Daran sind die Arzneimittelkommissionen beider Berufsgruppen beteiligt«, informierte der ABDA-Präsident.

 

Das Medikationsmanagement richtet sich nach den Plänen von Ärzten und Apothekern an Patienten, die mindestens fünf Medikamente in der Dauertherapie einnehmen. Patienten, die daran teilnehmen, werden dann zur »Bestandsaufnahme« in eine Arztpraxis oder Apotheke gebeten. Alle verordneten Arzneimittel und die OTC-Medikation werden aufgenommen. Danach treten Arzt und Apotheker miteinander in Kontakt und erstellen einen Medikationsplan.

 

Diese Form der Kommunikation müssten beide Seiten noch üben, weshalb es zunächst Modellregionen geben soll, erklärte Wolf. Das Konzept soll stufenweise bis 2014 eingeführt werden. »Ohne Moos nix los«, stellte Wolf klar, dass die Mehrarbeit für Ärzte und Apotheker vergütet werden muss. Insgesamt rund 700 Millionen Euro werden dafür bis 2014 veranschlagt. Trotzdem können die Kassen nach Berechnungen von ABDA und KBV noch 2,1 Milliarden Euro einsparen, allein 1,8 Milliarden durch das Medikationsmanagement. /

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