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Unikliniken

Heftige Klagen über Unterfinanzierung

19.07.2011
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Von Werner Kurzlechner, Berlin / Scharfe Kritik an Unterfinanzierung und mangelnder Ausstattung der Universitätskliniken wurde auf dem Innovationskongress der Hochschulmedizin laut. Noch härter fiel das Verdikt über die Lehren aus der EHEC-Epidemie aus: Eine Vereinfachung der Informationswege sei dringlich und unumgänglich.

Es dauerte, bis Existenz, Ausmaß und Ursache der EHEC-Epidemie bekannt wurden und die notwendigen Gegenmaßnahmen erfolgten. Zu lange und unnötig lange. Scharfe Kritik an strukturellen Verzögerungen und komplizierten Informations- und Kommunikationswegen wurde vergangene Woche in Berlin beim siebten Innovationskongress der deutschen Hochschulmedizin laut. Überhaupt prangerten der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in ihrer gemeinsamen Veranstaltung diverse Misstände in der Hochschulmedizin an und forderten lautstark Veränderungen. Quintessenz der Kritik: Die föderalen Strukturen in der Bundesrepublik behinderten effiziente Grundlagenforschung und adäquate Versorgung in Notsituationen, mehr Zentralismus und Kompetenzen für den Bund seien geboten. Einer dringenden Überarbeitung bedürften zudem die derzeitigen Szenarien für Katastrophenfälle.

»Ein wirkliches Chaos« spielte sich zu Beginn der EHEC-Epidemie aus Sicht von Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann ab, Mikrobiologe in Hannover und Präsi­dent des MFT. Überarbeitungsbedürftig sei die gesamte Meldekette, in der Informationen über Infektions- und Todesfälle zäh erst an Kreis-, dann an Landesgesundheitsämter wandern, ehe sie auf Bundesebene beim Robert-Koch-Institut (RKI) landen. In den vorgeschalteten Ämtern ruhe beispielsweise am Wochenende der Betrieb komplett, überhaupt verstreiche zu viel Zeit, bis das Ausmaß einer Seuche deutlich werde. Nur beim RKI existiere rund um die Uhr das gesamte epidemologische und infektiologische Know-how zur Risikoabschätzung und Bewältigung einer Epidemie sowie eine schnelle Eingreiftruppe.

 

Gerangel um Zuständigkeiten

 

Zudem hätten sich während der EHEC-Hochphase neben eifersüchtiger Hoheitswahrung der Länder Zuständigkeitsreibereien zwischen Bundesministerien offenbart. »So ein Gerangel geht in Zukunft nicht mehr«, so Bitter-Suermann. Der Kommunikationswirrwarr sei durch Festlegung einer – und zwar tatsächlich nur einer – autorisierten und zuständigen Informationsstelle zu entwirren. Moderne Software und mehr Personal seien notwendig, um Informationen so schnell wie heute möglich weiterzuleiten, forderte der Wissenschaftler: von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern in jedem Fall direkt ans RKI, gegebenenfalls parallel an die jeweiligen Stellen der Kreise und Länder.

 

Millionenschaden durch EHEC-Krise

 

Auch die Kapazitäten der Unikliniken reichten für derartige Extremsituationen nicht aus. In Hannover seien 14 Betten der Intensivstation vier Wochen lang blockiert gewesen, berichtete Bitter-Suermann. Abstriche in der routinemäßigen Versorgung seien angesichts der begrenzten Ressourcen unausweichlich gewesen. Zudem sei die Vergütung für betroffene Unikliniken ungeregelt. An den Standorten Hannover, Hamburg und Kiel sei jeweils ein Millionenschaden entstanden. »Wir kriegen dafür nur einen Abschlag«, so Bitter-Suermann. Ob ein angemessener Ausgleich erfolge, hänge in solchen Fällen letztlich vom guten Willen der einzelnen Krankenkassen ab. »Wir wollen kein Bittsteller der Kassen mehr sein«, ergänzte Rüdiger Strehl, Generalsekretär des VUD.

 

Auf eine insgesamt bestehende und sich verschärfende Unterfinanzierung der Unikliniken wies der VUD-Präsident Professor Dr. J. Rüdiger Siewert hin, Chirurg in Heidelberg. Ursache sei die erste Föderalismusreform von 2006, die faktisch Finanzierungsoptionen durch den Bund unterbinde. Die Länder erfüllten die Aufgabe einer angemessenen Ausstattung zumeist nicht, Investitionen in bauliche Maßnahmen und Geräte blieben schon jetzt häufig aus, so Siewert. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist unter den gegebenen Voraussetzungen das Aus einiger der derzeit 32 Unikliniken unausweichlich – zuvorderst in besonders klammen Ländern wie etwa Mecklenburg-Vorpommern. Paradoxerweise seien im Bundesforschungsministerium sowohl Geld als auch der Wille vorhanden, die Lage zu verbessern, was durch die Alleinkompetenz der Länder unnötig verkompliziert werde. Die jetzt eingerichteten und allein bis 2015 mit 700 Millionen Euro, später mit 200 Millionen Euro jährlich ausgestatten sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung betrachten die Wissenschaftler als gut gemeinte Hilfskonstruktion mit unvermeidbaren Webfehlern.

 

»Es gibt keinen Ärztemangel«

 

Man befürchtet eine zu starke Abhängigkeit von den Großforschugsgesellschaften, über die das Geld verteilt wird. Professor Dr. Wolfgang Gaebel, Vizepräsident der AWMF, kritisierte die Beschränkung auf die Erforschung von nur sechs Volkskrankheiten und forderte die Errichtung eines weiteren Zentrums für psychische Krankheiten. »Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass die Gruppe der psychischen Erkrankungen weniger ernst genommen wird als andere«, so Gaebel.

 

Zudem widersprach Dr. Volker Hildebrandt, Generalsekretär des MFT, der insbesondere von Ärzteverbänden vehement vertretenen These eines drohenden Ärztemangels. Nach Analyse von Hildebrandt eine Fehlinterpretation statistischer Daten. Deutschland bilde im internationalen Vergleich besonders viele Mediziner aus. Und anders als manchmal behauptet, seien diese später fast ausschließlich in der ärztlichen Versorgung tätig. Ärztemangel gebe es also keinen. »Wir haben lediglich ein Verteilungsproblem im ländlichen Raum«, so Hildebrandt. /

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