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Teil-Germanisierung

28.07.2008
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Teil-Germanisierung

Die Europareise des designierten US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Barack Obama, hat viel Wirbel erzeugt. Die hohe Zustimmung der Deutschen generell für Obama und die Tatsache, dass mehr als 200.000 Menschen die Rede an der Siegessäule in Berlin hören wollten, hat in den USA aus Kreisen der Republikaner den Deutschen den Vorwurf der Unterwürfigkeit eingebracht. Für einen Tag war der Wahlkampf über den Atlantik geschwappt.

 

Wissen wir jetzt, was nach der Wahl in den USA geschieht, wenn Obama Präsident werden sollte? Sicher werden die Europäer dann mehr in die Bündnisverpflichtungen eingebunden. Seine Pläne für eine Gesundheitsreform erläuterte Obama leider nicht. Das wäre aber interessant, denn in den vergangenen Jahren wollten deutsche Krankenkassen immer wieder Teile des amerikanischen Systems nach Deutschland importieren. Die Amerikanisierung des deutschen Gesundheitssystems wurde als sinnvoller Weg beschworen. Obamas Reformpläne hätten einmal mehr belegen können, wie abstrus solche Pläne sind.

 

Das amerikanische Gesundheitssystem ist in einem katastrophalen Zustand (siehe dazu US-Gesundheitswesen: Mehr Staat oder mehr Freiheit?). Inzwischen empfinden die Amerikaner selbst ihr Gesundheitssystem als nationale Schande. Rund 47 Millionen US-Bürger sind nicht krankenversichert, dennoch laufen die Kosten aus dem Ruder. In weniger als 10 Jahren verdoppelten sich die Ausgaben, die inzwischen ein Fünftel des amerikanischen Bruttosozialproduktes ausmachen. Für die US-Wähler ist die Gesundheitsversorgung zum drittwichtigsten Thema im Wahlkampf geworden nach der wirtschaftlichen Lage des Landes und den Energiepreisen. Schon während Clintons Amtszeit hat die US-Regierung versucht, ihr Gesundheitssystem ähnlich dem deutschen aufzubauen. Eine der Protagonistinnen war damals Hillary Clinton. Sie hat dieses Thema auch in ihrem jetzigen Wahlkampf wieder dominant eingebaut, ist aber mit ihrem Programm gescheitert.

 

Inzwischen ist immerhin die Krise des amerikanischen Gesundheitssystems über Parteigrenzen hinweg erkannt worden. Die Konzepte zur Lösung der Krise liegen allerdings weit auseinander. Während der Republikaner McCain keine großen Änderungen plant, eine Pflichtversicherung ablehnt und nur durch schärfere staatliche Aufsicht den Preisanstieg bei Pharma- und Versicherungskonzernen verhindern will, will der Demokrat Obama durch staatliche Hilfen jedem Bürger den Zugang zur Versicherung ermöglichen. Eine Versicherungspflicht, die Hillary Clinton für alle forderte, plant er nur für Kinder. Also eine Teil-Germanisierung. Gerade dies zeigt, dass das deutsche Gesundheitssystem besser ist, als sein Ruf. Liberalisierung und Deregulierung würden uns genau das System bescheren, das in den USA gerade abgebaut werden soll.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur

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