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Düsseldorf versus Köln

Rivalen am Rhein

17.08.2017
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Von Anna Pannen / Kölner und Düsseldorfer können sich nicht ausstehen. So lautet jedenfalls ein gängiges Klischee. Doch woher kommt die angebliche Feindschaft zwischen den beiden Rhein-Metropolen eigentlich und wie ernst muss man sie nehmen?

Die britische Popsängerin Adele staunte nicht schlecht, als während ihres Konzerts in Köln 2016 plötzlich Buh-Rufe aus dem Publikum kamen. Nein, nicht ihr Gesang war es, der die Kölner gegen sie aufgebracht hatte. Adele hatte nur wie schon oft einen jungen Fan auf die Bühne kommen lassen, ein zehnjähriges Mädchen. Auf die freundliche Frage der Sängerin, wo es denn herkomme, antwortete die Kleine: »Aus Düsseldorf.«

 

Für das darauf folgende Pfeifkonzert aus dem Publikum entschuldigte sich später sogar die Stadt Köln. Es sei nicht in Ordnung, die alte Fehde zwischen den Rheinstädten an einem Kind auszulassen, sagte eine Sprecherin von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Wer nicht gerade selbst aus dem Rheinland stammt, wundert sich ohnehin über die Anekdote. Können zwei nur 40 Kilometer voneinander entfernte Nachbarstädte tatsächlich Feinde sein?

Reise in die Geschichte

 

Wer die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf verstehen will, muss den Blick zurück in die Historie richten. Oft wird behauptet, die Schlacht von Worringen im Limburger Erbfolgestreit sei 1288 Auslöser der Fehde zwischen den beiden Rheinstädten gewesen. Diese These gilt inzwischen jedoch als ausreichend widerlegt. Tatsächlich war wohl vor allem die sehr konträre Entwicklung beider Städte Auslöser dafür, dass die Bewohner dem jeweiligen Nachbarn immer wieder grollten.

 

Zur Zeit der besagten Schlacht war Düsseldorf jedenfalls noch keine Konkurrenz für Köln. Während das ehemals römische Colonia bereits die größte Stadt im deutschsprachigen Raum war und fleißig an seinem riesigen Dom baute, standen in Düsseldorf erst zwei Gebäude aus Stein. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte Köln sich zu einer der mächtigsten Handelsstädte Westeuropas. Der Erzbischof residierte in der Domstadt und räumte ihr exklusive Handelsrechte ein.

 

Vor allem das sogenannte Stapelrecht brachte Köln den Neid seiner Nachbarstädte ein. Es legte fest, dass alle Handelswaren, die über den Rhein verschifft wurden, zunächst Halt in Köln machen, dort abgeladen – gestapelt – und zum Verkauf angeboten werden mussten. In Düsseldorf konnte deshalb kein eigener großer Handelshafen entstehen. Die Schiffe zogen an der Stadt vorbei, die Kölner genossen ein Vorkaufsrecht. Hier verorten einige Historiker den Ursprung des Grolls auf den mächtigen Nachbarn. Düsseldorf war hübsche Garnisons- und Residenzstadt, jedoch ohne wirtschaftlichen Erfolg.

 

Das Blatt wendete sich erst im 19. Jahrhundert. Gleich zwei Begebenheiten ließen Düsseldorf zur ernsthaften Konkurrentin Kölns aufrücken: Erstens ernannte Preußen 1814 nicht Köln, sondern Düsseldorf zur Hauptstadt der Rheinprovinz. Die Stadt wurde Verwaltungssitz und damit auch Zentrum für Kultur und Gesellschaft. Zweitens hatte Köln mit seiner Konzentration auf den Handel quasi den Beginn der Industrialisierung verschlafen. Auch konnten sich in der von dicken Festungsmauern abgeschirmten Stadt kaum Fabriken ansiedeln. Düsseldorf dagegen bot großen Produzenten ­attraktive Standorte und lag außerdem direkt neben der boomenden Ruhrregion. Innerhalb weniger Jahrzehnte holte Düsseldorf den wirtschaftlichen Abstand zum übermächtigen Nachbarn auf – ein Trauma für viele Kölner.

 

Der Wettstreit um Industrie und Investoren setzte sich auch im 20. Jahrhundert fort. Nun ging es dabei vor allem um Messen und Schifffahrt, wichtige Wirtschaftsfaktoren in beiden Städten. Die damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer (Köln) und Robert Lehr (Düsseldorf) kämpften leiden­schaftlich für das Wachstum ihrer jeweiligen Heimatstädte. Als die britischen Besatzer nach dem Zweiten Weltkrieg Düsseldorf zur Hauptstadt des neugegründeten Bundeslands Nordrhein-Westfalen machten, soll Adenauer getobt haben. Fortan besuchte er die Nachbarstadt so selten wie möglich.

 

Auch manch bodenständiger Kölner hegte Groll auf die rausgeputzte Nachbarin, die in den 50er-Jahren zunehmend Menschen aus der Mode- und Werbeindustrie anzog, außerdem Intellektuelle, die die Düsseldorfer Kunstakademie besuchten und zahlreiche Galerien eröffneten. Prompt erfand Köln seine eigene Kunstmesse Art Cologne und warb prominente Künstler aus Düsseldorf mit billigen Galerie-Mieten ab. In beiden Städten wird seitdem fleißig gestichelt und verglichen: Wer hat den besseren Karneval? Das bessere Bier? Den besseren Fußballverein?

 

Argwohn bleibt

 

Natürlich ist diese Rivalität auch Strategie. Identifikation entsteht nun mal auch durch Abgrenzung, und Marketingexperten wissen diese Tatsache gut zu nutzen. Tatsächlich finden sich die meisten Hiebe gegen die Konkurrenz auf der anderen Rheinseite heute auf Werbeplakaten. McDonalds, Ritter Sport und Co. teilen aus gegen den jeweiligen Nachbarn und hoffen, auf diese Art Käufer zu gewinnen. Viele Rheinländer dagegen haben das Gerede von der angeblichen Rivalität längst satt und kümmern sich nicht darum. Im Februar 2017 schlossen sich sowohl Köln als auch Düsseldorf dem Verein »Metropolregion Rheinland« an, um gemeinsam wirtschaftlich stärker zu werden. »Sehr viele Dinge können wir im Interesse der gesamten Region zusammen machen«, kommentierte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) die Kooperation gegenüber der Glutasource. Zu groß soll die Freundschaft aber doch nicht werden: »Manches soll bitte eigenständig bleiben«, setzte Geisel nach. »Ich denke da zum Beispiel an Karneval, Fußball, Eishockey und unser Altbier.«

 

So überholt die Konkurrenz zweier Nachbarstädte im Zeitalter der Globalisierung auch wirkt – ganz abzuschaffen ist sie nicht. Von einer Feindschaft zu sprechen wäre dennoch übertrieben. Dafür sind sich die Bewohner dann doch zu gewogen. Aber ein bisschen Argwohn ist bei vielen schon dabei, wenn die Sprache auf den Nachbarn kommt. Angeheizt wird die Pöbelei natürlich immer dann, wenn Prominente mit einsteigen. So wie die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen. Ihre Mitglieder suchten Ende der 90er-Jahre eine große Grabstelle, um nach dem Tod alle nebeneinander beerdigt zu werden. Favorit der Hosen war der Düsseldorfer Nordfriedhof, um selbst als Leichen »möglichst weit weg von Köln zu liegen«, wie Sänger Campino einmal im Interview erzählte. Leider waren dort alle freien Plätze zu klein. Die passende Stelle, die die Hosen dann tatsächlich kauften, liegt auf dem Düsseldorfer Südfriedhof. Sechs Kilometer näher an Köln. /

 

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