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Harnwegsinfektionen

Phytopharmaka auf dem Vormarsch

28.09.2016
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Von Hannelore Gießen, München / Phytopharmaka hatten bislang in der S3-Leitlinie zur Therapie von Harnwegsinfektionen (HWI) keinen Stellenwert. Das könnte sich in der zurzeit in Überarbeitung befindlichen Version ändern. Vor allem bei unkomplizierten Formen sind Phytos eine sinnvolle Alternative zu Antibiotika.

Frauen erkranken etwa viermal häufiger als Männer an Infektionen der unteren Harnwege. Die derzeit noch gültige S3-Leitlinie empfiehlt primär eine antibiotische Therapie. »Diese zieht jedoch häufig Resistenzen nach sich«, sagte der Münchner Allgemeinmediziner Dr. Erwin Häringer bei einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin (KFN) in München. Auch leiste sie Folgeerkrankungen wie einer Vaginalmykose Vorschub, da durch eine Antibiose die natürliche Flora von Lactobazillen geschädigt werde.

Auch Professor Dr. André Gessner vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg empfahl, das Mikrobiom stärker zu berücksichtigen. Mittler­weile gebe es gute Evidenz dafür, dass bei unkomplizierten Harnwegsinfekten auf Antibiotika verzichtet werden könne. Eine Alternative sei zum Beispiel eine Extrakt-Kombination aus Rosmarinblättern, Tausendgüldenkraut und Liebstöckelwurzel. Gessner zufolge weist die Extrakt-Kombination in vitro antiphlogistische, analgetische, spasmolytische und zudem antiadhäsive Effekte auf. Der Urologe stellte die Daten einer offenen Pilotstudie vor, an der 125 Frauen sieben Tage lang das Phytotherapeutikum Canephron® N einnahmen (»Planta Medica« 2013, DOI: 10.1055/s-0033-1351946). Die Symptome gingen signifikant zurück, sodass 98 Prozent der Probandinnen keine Anti­biose benötigten und in der Nachbeobachtungszeit bis Tag 37 auch kein Rezidiv erlitten.

 

Fokus auf dem Mikrobiom

 

Wie Häringer sieht auch Gessner die sich Resistenzsituation kritisch. Einer aktuellen Studie der Berliner Charité zufolge wird jeder dritte Bundesbürger mindestens einmal im Jahr mit einem Antibiotikum behandelt, wobei mindestens 30 Prozent dieser Antibiotika­gaben vermeidbar sind. Der Einfluss eines Antibiotikums auf das Mikrobiom werde erst allmählich erkannt, so Gessner. Starke Mikrobiom-Verschiebungen wurden vor allem nach einer Gabe von Fluorchinolonen oder Tetracyclinen gezeigt. »Am unproblematischsten sind β-Lactam-Antibiotika«, sagte der Urologe im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Entscheidend seien jedoch neben der Substanz vor allem auch das Ausgangsmikrobiom des Patienten sowie die Dauer und Dosis der Therapie. Gessner rechnet damit, dass die neueren Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Phytopharmaka in die zukünftige Leitlinien-Version, die zurzeit überarbeitet wird, aufgenommen werden.

 

Hoher Forschungsbedarf

 

Seit einigen Jahren werden zunehmend auch Cranberry-Produkte in Form von Saft oder Kapseln zur Prophylaxe und Therapie von HWI propagiert. Professor Dr. Andreas Hensel von der Universität Münster stellte eine im vergangenen Jahr publizierte Studie seiner Arbeitsgruppe vor (»Journal of Agricultural and Food Chemistry«, DOI: 10.1021/acs.jafc.5b03030). In der kombinierten In-vitro-/In-vivo-Pilotstudie sammelten die Forscher den Urin von vier Probanden, die sieben Tage lang einen standardisierten Cranberry-Trockenextrakt eingenommen hatten. Die Urinproben zeigten gegenüber uro­pathogenen Escherichia-coli-Stämmen signifikante antiadhäsive Effekte. Derzeit läuft an der Universität Münster eine Studie mit einer größeren Stichprobenzahl.

 

Des Weiteren konnte die Forschergruppe belegen, dass nicht wie lange Zeit kolportiert die Proanthocyanidine (PAC) für die antiadhäsive Wirkung verantwortlich sind. Auch ein PAC-freier Extrakt hatte in vitro deutliche anti­adhäsive Eigenschaften gegenüber verschiedenen uropathogenen E.-coli-Stämmen. »Das steht auch im Einklang mit früheren Untersuchungen, wonach PAC nach oraler Gabe nicht absorbiert werden und gar nicht in die ableitenden Harnwege gelangen können«, sagte Hensel. Es bestehe ein hoher Bedarf an weiterführender Forschung hinsichtlich der Wirkstoffe und Standardisierung von Cranberry-Extrakten. /

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