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Krebserkrankungen

Sport statt Schonung

23.11.2010
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Von Gisela Stieve, Heidelberg / Während bisher Krebspatienten unbedingt Ruhe und Schonung empfohlen wurde, sind inzwischen moderate sportliche Aktivitäten und Muskelkräftigung indiziert. Bewegung scheint den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen.

Ein körperlich aktiver und gesunder Lebensstil kann vor einer Krebserkrankung schützen, wie Studien zeigen. Gerade Übergewicht und mangelnde Bewegung sind neben dem Rauchen Risikofaktoren, die jeder selbst beeinflussen kann. Die Forschungsergebnisse sollen die Menschen motivieren, ihr Verhalten zu verändern, erklärte Professor Dr. Cornelia Ulrich, Direktorin am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sowie Leiterin der Abteilung Präventive Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Weltweit, und auch gerade in Deutsch­land, ist Übergewicht auf dem Vor­marsch. In Deutschland ist inzwi­schen mehr als ein Drittel der Erwachsenen übergewichtig und ein knappes Viertel adipös. Das kann gefährlich werden: Übergewicht und Bewegungsmangel spielen Schätzungen zufolge bei etwa 20 bis 25 Prozent der Krebserkrankun­gen in Deutschland eine Rolle, in den USA sogar bei bis zu 40 Prozent, be­richtete Ulrich auf dem NCT-Kongress »Exercise, Energy Balance and Cancer EEBC 2010« in Heidelberg.

 

Ausgehend von diesen Ergebnissen, untersuchen Forscher nun, welchen Effekt Sport und Bewegung, auch mit Blick auf Energiebilanz und Körperge­wicht, bei Krebspatienten während und unmittelbar nach der medizinischen Behandlung haben. »Mittlerweile vermuten wir, dass Sport und Bewegung nach einer Krebstherapie wesentliche Faktoren für das Überleben sein können«, so Ulrich. »Das zeigen beobachtende epidemiologische Studien.« Aber auch Sportprogramme für Patienten, die während ihrer Behandlung unter ärztlicher Kontrolle trainieren, lieferten erste positive Resultate. »Die Menschen fühlen sich insgesamt besser, sind leistungsfähiger und leiden weniger unter Nebenwirkungen.« Allerdings gebe es noch sehr viel Forschungsbedarf.

 

Besonders interessiert die Wissenschaftler auch die Frage, welche Art von Training in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt am besten für die Patienten ist. »Wir raten dringend davon ab, sich während einer Krebsbehandlung zu überfordern. Deshalb lassen wir unsere Patienten im Regelfall im Rahmen von wissenschaftlichen Studien am NCT ausschließlich unter speziell geschulter Anleitung trainieren«, sagte Privatdozentin Dr. Karen Steindorf von der Arbeitsgruppe Umweltepidemiologie am DKFZ.

 

Viel Forschungsbedarf

 

Zur Erforschung der Zusammenhänge von Sport und Krebs laufen derzeit sechs Studien am NCT, insbesondere die BEATE-Studie. Mit ihrer Gruppe erforscht Steindorf unter anderem, ob aktive Menschen ein geringeres Risiko haben, an bestimmten Krebsformen zu erkranken oder zu sterben als inaktive Menschen. Außerdem interessiert sie sich für die biologischen Mechanismen, die zu diesen Effekten führen. Im Bereich körperliche Aktivität für Krebspatienten und -patientinnen leitet Steindorf derzeit zwei Studien mit Brustkrebspatientinnen, die BEST-Studie (Bewegung und Entspannung für Brustkrebspatientinnen unter Strahlentherapie) sowie die BEATE-Studie (Bewegung und Entspannung als Therapie gegen Erschöpfung).

 

BEATE ist eine randomisierte, kontrollierte, multizentrische Sport-Interventionsstudie für Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie erhalten. Ziel ist es, den Effekt eines zwölfwöchigen Krafttrainings auf die durch den Krebs und die Behandlung hervorgerufene Fatigue zu bestimmen. Um den eigentlichen Effekt der körperlichen Aktivität über den möglichen psycho-sozialen Effekt hinaus zu ermitteln, erhalten die Patientinnen in der Kontrollgruppe einen zeitlich vergleichbaren Trainingsplan, jedoch mit progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson.

 

Krebsbedingte Fatigue ist eine außerordentliche Ermüdung, die sich durch normale Erholungsmechanismen nicht beheben lässt. Sie beeinträchtigt das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Frauen nach Brustkrebs stark. Die Mehrheit der Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie erhält, leidet an Fatigue, die noch Monate oder Jahre nach Abschluss der Behandlung anhalten kann.

 

Über die Ursachen und effektive Behandlungsmöglichkeiten ist jedoch bisher wenig bekannt. Sport und körperliche Bewegung sind ein vielversprechender Ansatz, Fatigue zu reduzieren. Unklar ist noch, welche Art von Sport (Ausdauer, Kraft, Flexibilität) zu welchem Zeitpunkt und in welcher Intensität am effektivsten ist. Da Fatigue auch eine starke psychische Dimension hat, ist ebenfalls unklar, inwiefern die positiven Effekte auf das Wohlbefinden auch durch eine stärkere Zuwendung und den Kontakt zu anderen Betroffenen hervorgerufen wurden.

 

Deshalb wird bei der BEATE-Studie das sportliche Training mit der Entspannungsmethode Progressive Muskelrelaxation verglichen. Entspannungsmethoden haben positive Effekte bei Krankheitsbildern gezeigt, bei denen innere Spannung, Ängstlichkeit oder Schmerz eine Rolle spielen. Daher wird auch untersucht, ob bei Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie Krafttraining wirksamer gegen Fatigue ist als Muskelrelaxationstraining.

 

An der BEATE-Studie können Brustkrebspatientinnen (Stufe I bis III) im Alter von 18 bis 70 Jahren teilnehmen, die eine adjuvante Chemotherapie erhalten. Mit Ergebnissen wird im nächsten Jahr gerechnet. Für die längerfristige Gesundheitsförderung bietet das NCT allen Studienteilnehmerinnen nach Beendigung der Chemotherapie ein Muskeltraining oder weiterführende bewegungstherapeutische Beratung an.

 

In den USA ist die Gesundheitsförderung für Sport, Bewegung und Krebsprävention hoch angesiedelt. Das National Cancer Institute in Bethesda zum Beispiel finanziert mit 54 Millionen US-Dollar eine Forschungsinitiative (TREC, Transdisciplinary Research in Energetics and Cancer), die sich mit allen Bereichen des Themas Sport, Bewegung und Gewichtsreduktion zur Prävention und Therapieunterstützung von Krebs befasst. »Da müssen wir in Deutschland noch einiges aufholen«, so Ulrich. /

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Thoraxklinik Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe. Ziel des NCT ist die Verknüpfung von vielversprechenden Ansätzen aus der Krebsforschung mit der Versorgung der Patienten von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge sowie der Prävention. Die interdisziplinäre Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT.

 

Die betont wissenschaftliche Ausrichtung des Versorgungsangebots zielt darauf ab, mittelfristig eine evidenzbasierte und leitliniengestützte sport- und bewegungstherapeutische Betreuung für jeden Krebspatienten am NCT zu etablieren. Sport oder körperliches Training soll zu einem integrativen Bestandteil der Krebstherapie werden.

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