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Alzheimer ist möglicherweise übertragbar

15.09.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Morbus Alzheimer könnte über fehlgefaltete Amyloid-Proteine aus den Gehirnen von Erkrankten übertragbar sein. Da­rauf weisen Untersuchungsergebnisse aus England hin, die nun im Fachjournal »Nature« veröffentlicht wurden (DOI: 10.1038/nature15369).

Die Forscher um Zane Jaunmuktane vom National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London hatten Patienten untersucht, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) gestorben waren.

 

Die acht Verstorbenen hatten vor 1985 in ihrer Kindheit zur Behandlung von Kleinwuchs ein aus mensch­lichen Hirnanhangdrüsen gewonnenes Wachstumshormon-Präparat erhalten. Dieses war mit Prionen verunreinigt gewesen, weshalb die behandelten Kinder im Erwachsenenalter CJD entwickelt hatten. Prionen sind fehlgefaltete menschliche Proteine, die als eine Art Kristallisationskeim dienen und die Umwandlung von anderen Prion-Proteinen in die pathogene Form veranlassen. Die fehlgefalteten Moleküle verklumpen und können die Zelle schädigen.

Ein ähnlicher Mechanismus wird auch bei Alzheimer diskutiert, denn die charakteristischen Amyloid-Plaques weisen ebenfalls fehlgefaltete Amyloid-β-Peptide (Aβ) auf. In Tierversuchen konnte schon nachgewiesen werden, dass durch Injektion kleinster Mengen Aβ von erkrankten Tieren in die Gehirne von gesunden eine Alzheimer-Erkrankung ausgelöst werden kann. Um zu untersuchen, ob eine solche Übertragung auch bei Menschen erfolgen kann, suchten die Londoner Forscher in den Gehirnen der Verstorbenen nach Amyloid-Plaques. Sechs der acht Personen hatten Plaques entwickelt, vier von ihnen in ausgeprägter Form.

 

Die Forscher machen deutlich, dass das noch kein Beleg für die Übertragung ist. Hierfür müsste man auch Aβ in den damals verwendeten Hormonpräparaten nachweisen. Eine Transmission von Aβ sei aber die wahrscheinlichste Erklärung für die Plaques bei den Verstorbenen, da diese zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 36 und 51 Jahre alt und somit zu jung für eine Alzheimer-Pathogenese waren. Außerdem wiesen sie keine genetischen Risiko­faktoren für die Erkrankung auf.

 

Wenn sich die Ergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen lassen, sollte geprüft werden, ob bei medizinischen Eingriffen – etwa über chirurgische Instrumente oder Blutprodukte – Aβ übertragen werden kann. Bei der Pflege oder dem Umgang mit Alzheimer-Patienten bestehe aber keine Gefahr einer Ansteckung, betonen die Experten. /

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