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Erfahrungsbericht

Krankhauspharmazie in Frankreich

Bereits während der Schulzeit wollte ich schon immer Zeit im Ausland verbringen. Seitdem schob ich diese Idee jedoch vor mir her, bis sich die Möglichkeit ergab, nach dem 6. Semester Pharmazie mithilfe des Erasmusprogramms ein Semester an der Universität Paris-Sud zu verbringen. Gewappnet mit einem eher mittelmäßigen Französischniveau startete ich dann mein Erasmussemester.
Leonie Marquart
08.03.2019
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Ich fühlte mich direkt wohl in der neuen Umgebung, sodass ich entschied, länger zu bleiben. Nachdem ein weiteres Erasmussemester nicht möglich war, kam mir die Idee, ein Urlaubssemester einzulegen, um ein Praktikum in einem französischen Krankenhaus zu machen.

Der Studienschwerpunkt in Frankreich ist deutlich klinischer als in Deutschland, was mich neugierig werden ließ. Über die Uni in Paris bekam ich dann die Möglichkeit am Hôpital Tenon, einem Krankenhaus im Nordosten von Paris, ein viermonatiges Praktikum im Anschluss an mein Erasmussemester zu absolvieren.

Sterilisation von OP-Besteck

Angefangen habe ich mit einem kleinen Filmprojekt über den Sterilisationsprozess von Medizinprodukten und OP-Besteck, auch das liegt in Frankreich im Aufgabenbereich eines Apothekers. Zusammen mit einem anderen Studierenden des 5. Studienjahres habe ich einen kleinen Film über den Sterilisationsprozess in seinen einzelnen Schritten gedreht und geschnitten. Der Film diente zur Veranschaulichung der Abläufe und einzelnen Arbeitsschritte und war gleichzeitig auch für das Team eine gute Möglichkeit, seine Arbeit zu reflektieren und mögliche Fehler zu beheben.

Im Anschluss war ich dann im Bereich der Infektiologie und Tropenmedizin. Hier begleitete ich zunächst meine betreuende Apothekerin bei der Medikationsanalyse. Nach ein paar Tagen stellte sie mir dann ein Projekt vor, welches sie sich für mich überlegt hatte. Eine Analyse über die korrekte Dosierung von abgabekontrollierten Antibiotika bei Niereninsuffizienz-Patienten, welche ich am Ende vor dem Team der Krankenhausapotheke vorstellen sollte.

Nach zwei Monaten durfte ich auf der Station Nephrologie und Dialyse dann schließlich selbst Medikationsanalysen durchführen. Über ein Programm habe ich die Verordnung der Ärzte verfolgt und Dosis, Wechselwirkungen sowie Kontraindikationen überprüft. Wenn Fragen aufkamen oder wenn ich eine Medikation bedenklich fand, hielt ich Rücksprache. Oftmals lagen zusätzliche Informationen vor, wodurch die ärztlichen Entscheidungen nachvollziehbar wurden, manchmal konnte ich aber auch auf wichtige Versäumnisse hinweisen.

Krankenhausexklusive Medikamente

In Frankreich gibt es eine spezielle Abteilung in der Krankenhausapotheke, die für die Abgabe von krankenhausexklusiven Medikamenten zuständig ist. Meine Hauptaufgabe dort war es, kurze Handouts über sogenannte ATU für die PTA und die Pfleger zu verfassen. ATU sind Medikamente nach der Zulassung, welche aber nur unter ganz bestimmten Konditionen erfolgte. Dies ist ein Sonderstatus von Medikamenten und dient zu einer weiteren genauen Überwachung durch die Gesundheitsbehörde ANSM. Alle Patienten werden während der Therapie sehr strikt auf Nebenwirkungen, korrekte Dosierung, Indikation und Therapieerfolge überwacht.

Im letzten Monat arbeitete ich in der Chemotherapeutika-Herstellung. Gemeinsam mit den Apothekern kontrollierte ich die einzelnen Rezepturen und gab sie anschließend frei. Zudem habe ich den PTA in den unterschiedlichen Herstellungsetappen helfen können. Die Ausbildung zum Krankenhausapotheker in Frankreich beinhaltet neben dem fünfjährigen regulären Studium noch eine vierjährige praktische Ausbildung. Der angehende Apotheker, der in dieser Zeit für den Bereich verantwortlich war, zeigte mir, worauf es bei der Kontrolle der verschriebenen Chemotherapeutika ankommt.

Zum Abschluss der vier Monate durfte ich mein Projekt über die Dosisanpassung von Antibiotika bei Niereninsuffizienz-Patienten in einem Meeting vor einem Großteil des Teams vorstellen, welches mich in der Zeit sehr herzlich aufgenommen hatte. Ich verabschiedete mich aus einer sehr spannenden und lehrreichen Zeit. Mich hat diese Erfahrung trotz ihrer Herausforderungen sprachlich, fachlich und auch persönlich um einiges weitergebracht und ich bereue es keine Sekunde, den Mut gehabt zu haben, über den Tellerrand hinausgeschaut zu haben. /

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